irgendwo nachts und ich kann mal wieder nicht schlafen.
der raum ist blau.
von diesem wasserbefeuchter, der die luft schwer macht.
ich brauche das, sonst krieg ich keine ruhe.
der dampf zieht durchs zimmer wie eine zweite haut.
ich atme langsam.
are u happy?
diese scheiß frage geht mir nicht aus dem kopf.
ich hab diese werbung gesehen.
irgendwo.
ich glaube auf instagram.
so ein neues resort.
pool. palmen. menschen, die aussehen, als wären sie glücklich.
weiche bewegungen. leise musik. slow motion lachen.
#plastifantasti
are u happy?
als könnte man das buchen.
als wäre glück eine suite mit meerblick.
ich liege hier im blauen dampf und merke, wie sehr mich das triggert.
happy.
was ist das überhaupt?
für mich war das nie geld. nie status. nie reich sein.
auch wenn ihr alle das Gegenteil behauptet habt.
ich erinnere mich, wie ich als kind , einfach happy war,
kein denken. kein vergleichen. kein hinterfragen.
du wachst auf. du bist barfuß. du rennst. du lachst.
kein grund. kein ziel. kein publikum.
und dann fängt es an. so leise, dass du es nicht merkst.
das lachen wird weniger.
nicht sofort. langsam.
erst lachst du nicht mehr aus dem bauch., dann nur noch mit kontrolle.
bis irgendwann nur noch ein lächeln übrig bleibt.
für andere. für spiegel. für situationen.
und irgendwann wird sogar das zu viel.
und aus dem lächeln wird eine linie.
eine null. kein hoch. kein runter. nur funktion.
ist das erwachsen sein?
haben wir gelernt, dass glücklich sein weh tut?
dass es gefährlich ist?
dass man dafür bezahlt?
ich denke an meine erste trennung.
wie ich am boden war.
wie ich dachte, es ist vorbei.
und wie ich irgendwann wieder lachen konnte.
für einen moment war ich happy.
die trennung war, weil ich nicht genug war.
so ist es immer. du bist genug, bis du es nicht mehr bist.
bis jemand spannender ist.
einfacher ist.
leiser ist.
dann gehen sie.
machen ein neues leben.
posten ihr neues „wir“.
und irgendwann merken sie vielleicht:
war gar nicht so schlecht.
aber du bist dann nicht mehr da. oder nicht mehr der gleiche.
sollte ich happy gewesen sein, als ich beruflich verarscht wurde?
monate, in denen ich dachte, ich bilde mir dinge ein.
wochen, in denen ich meinem eigenen kopf nicht traute.
ich habe gewonnen am Ende.
ja.
aber happy?
das hat mich kaputt gemacht.
leise.
von innen.
soll ich happy sein bei streit?
bei meinungsverschiedenheiten?
bei brüchen?
früher konnte ich lachen. einfach so.
irgendwann wird es ruhiger.
nicht draußen. drinnen.
man wird still. man wird flach.
und ich frage mich:
haben wir gelernt, mit schmerz zu leben?
oder haben wir nur gelernt, ihn nicht mehr zu zeigen?
laufen wir alle so rum?
wie zombies mit terminen, jobs, meetings?
ist das der grund, warum so viele trinken?
warum so viele drogen nehmen?
um wenigstens kurz nichts zu fühlen?
ich liege da im blauen dampf.
und frage mich, wann ich das letzte mal happy war.
nicht okay. nicht stabil. nicht stolz.
happy.
wahrscheinlich auf einer tanzfläche.
schweiß im nacken. licht zu grell. bass zu laut.
kein denken.
nur bewegung. nur körper. nur moment.
kein resort.
keine werbung.
keine frage.
und doch liege ich hier. wach.
die frage klebt an meinem kopf.
are u happy?
Und alles was ich denke ist
I WISH
