Eine Kolumne über Heuchelei, Haltung und den Mut, konsequent zu leben.
Kennst du das?
Wenn alle was zu sagen haben – aber keiner ehrlich?
Ich schon.
Und ich sag dir was:
I don´t give a F… – außer du bist fake.
Dann schon.
Weil das ist nicht edgy.
Das ist einfach traurig.
Du schreist auf TikTok „Be real“ –
aber meinst eigentlich: „Be cool – aber bitte nicht zu fremd, nicht zu laut, nicht zu muslimisch, nicht zu dick, nicht zu queer.“
Du sagst „Live your truth“ –
aber sobald jemand das wirklich tut, wird’s dir unangenehm.
Und nein – ich red nicht von Perfektion.
Ich hab auch meine Widersprüche.
Yes, ich hatte einen Nosejob.
Yes, ich färbe meine Haare.
Yes, ich trainiere hart und will gut aussehen.
Aber ich steh dazu.
Meine Bodypositivity ist nicht nur Selflove –
sie ist Arbeit, Disziplin, Style, Klarheit.
Fit as fuck ist meiner – und muss trotzdem kein Maßstab für dich sein.
Ich sag nicht „natural only“ –
ich sag:
Be real if you take it.
Be real if you fake it.
#naturalmyass
Du willst Freiheit?
Dann hör auf, hinter Büschen zu leben.
Wenn du queer bist – sei es.
Wenn du gläubig bist – sei es.
Wenn du feiern willst – dann tanz.
Wenn dein Glas halb leer ist, dann setz Dich und mach nichts.
Aber hör auf, anderen vorzuschreiben, wie sie zu sein haben,
während du selbst kein Rückgrat zeigst.
Und bitte –
hör auf zu urteilen, wenn du selbst nicht mal weißt, was du da teilst.
Du bist kein Außenminister, weil du ’nen Slide in deiner Story repostest.
Du bist nicht auf der richtigen Seite, nur weil du „Solidarität“ sagst.
Du bist nicht besser, nur weil du das richtige Vokabular hast.
Wenn du Trump schlimm findest – dann flieg nicht nach Florida, nur weil die Hotels schön sind.
Wenn du gegen Homophobie bist – dann halt nicht den Mund, wenn’s in deiner Familie passiert.
Wenn du „Selbstliebe“ postest – dann nenn andere nicht „eklig“, nur weil sie nicht deine Schnittmenge sind.
Denn am Ende geht’s nicht um Likes.
Es geht um Konsequenz.
Und wenn du sagst „Mach, was du willst“,
dann mein es auch so.
Zieh dein Shirt auf der Party aus –
good for you.
Nur eben nicht for us.
Und das ist okay.
Denn man kann Dinge feiern, ohne sie zu kopieren.
Man kann Menschen akzeptieren, ohne sie begehren.
Man kann Unterschiedlichkeit lieben, ohne sie im eigenen Leben zu wollen.
Aber bitte:
Wenn du schon Haltung postest –
dann trag sie auch, wenn’s keiner liked.
Und wenn du’s nicht fühlst –
halt den Mund.
Denn was wir nicht mehr brauchen:
Sind Meinungen als Maske.
Statements ohne Substanz.
Haltung auf Bestellung.
Ich hab keine Lust mehr auf
„Ich versteh dich, aber ICH …“
Wenn du mich verstehst – dann steh mit mir.
Und wenn nicht – dann steh mir wenigstens nicht im Weg.
Kennst du das?
Diese Mischung aus Überforderung und Überheblichkeit?
Ich schon.
Und ich sag dir was:
Ich bin müde –
aber ich bin wach.
Und ich seh euch.
Alle.
